SYSTEMISCHE PSYCHOTHERAPIE

Gregory Bateson · Paul Watzlawick · Virginia Satir · Salvador Minuchin

Menschenbild

Der Mensch wird als Teil verschiedener sozialer Systeme verstanden, etwa Familie, Partnerschaft, Freundeskreis oder Arbeitsumfeld. Verhalten und Erleben entstehen nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel mit Beziehungen, Kommunikationsmustern und dem jeweiligen Kontext. Menschen verfügen dabei über eigene Ressourcen und die Fähigkeit, neue Sichtweisen und Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Problemverständnis

Psychische Probleme werden nicht ausschliesslich als Eigenschaft einer einzelnen Person betrachtet. Sie können im Zusammenhang mit wiederkehrenden Beziehungs-, Kommunikations- und Interaktionsmustern entstehen oder aufrechterhalten werden. Dabei wird besonders darauf geschaut, in welchem Kontext ein Problem auftritt, welche Bedeutung es dort erhält und welche Wechselwirkungen zwischen den Beteiligten bestehen.

Ziel der Therapie

Ziel ist es, bestehende Sichtweisen und festgefahrene Muster zu erweitern und neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Dabei werden vorhandene Ressourcen, Stärken und bereits funktionierende Lösungen besonders berücksichtigt. Durch neue Perspektiven und Veränderungen in Kommunikation und Beziehungen können Menschen ihren Umgang mit belastenden Situationen flexibler und selbstbestimmter gestalten.

Strömungen und Weiterentwicklungen

Strukturelle Familientherapie

Die strukturelle Familientherapie betrachtet insbesondere die Beziehungen, Rollen und Grenzen innerhalb eines Familien- oder Beziehungssystems. Schwierigkeiten können entstehen, wenn diese Strukturen nicht gut zu den Bedürfnissen der Beteiligten passen. In der Therapie werden Beziehungsmuster sichtbar gemacht und neue Formen des Miteinanders erprobt.

Strategische Therapie

Die strategische Therapie richtet den Blick besonders darauf, wie Probleme durch wiederkehrende Lösungsversuche unbeabsichtigt aufrechterhalten werden können. Statt lange nach den Ursachen eines Problems zu suchen, wird untersucht, was im gegenwärtigen Umgang damit geschieht. Durch gezielte Veränderungen sollen festgefahrene Muster unterbrochen werden.

Lösungsorientierte Kurzzeittherapie

Die lösungsorientierte Kurzzeittherapie konzentriert sich weniger auf die Entstehung eines Problems und stärker auf mögliche Lösungen. Dabei werden vorhandene Ressourcen, Ausnahmen vom Problem und bereits funktionierende Strategien in den Mittelpunkt gestellt. Gemeinsam werden konkrete und erreichbare Veränderungen entwickelt.

Narrative Therapie

Die narrative Therapie geht davon aus, dass Menschen ihre Erfahrungen durch Geschichten über sich selbst und ihr Leben ordnen. Probleme können besonders belastend werden, wenn eine problemorientierte Geschichte die eigene Sichtweise dominiert. In der Therapie werden alternative Perspektiven und Geschichten entwickelt, die bisher wenig beachtete Fähigkeiten und Möglichkeiten sichtbar machen.

Hypnosystemische Therapie

Die hypnosystemische Therapie verbindet systemisches Denken mit Ansätzen der Hypnotherapie. Im Mittelpunkt stehen Ressourcen, innere Prozesse und die Frage, wie unterschiedliche Bedürfnisse oder „innere Seiten“ miteinander in Beziehung stehen. Durch Imagination, Aufmerksamkeitslenkung und Perspektivwechsel können neue Zugänge zu eigenen Fähigkeiten und Lösungsmöglichkeiten entstehen.

Systemische Familientherapie nach dem Mailänder Modell

Das Mailänder Modell betrachtet Probleme vor allem im Zusammenhang mit wiederkehrenden Interaktions- und Beziehungsmustern. Therapeutisch wird versucht, unterschiedliche Sichtweisen auf das Problem anzuregen und festgefahrene Bedeutungen zu hinterfragen. Typisch sind insbesondere zirkuläre Fragen, mit denen Beziehungen und verschiedene Perspektiven innerhalb eines Systems sichtbar gemacht werden.